Signale des Dazugehörens

Im Rahmen meiner Keynote „Unter Affen – warum das Büro ein Dschungel ist“ behandle ich auch das Thema „Grüßen“. Das mag auf den ersten Blick nicht viel hergeben – das täuscht jedoch.

Ich leite das Grüßen erst zoologisch, dann anthropologisch her, erkläre, wie Menschenaffen einander grüßen und was bei Steinzeitjägern im Rahmen von Grußritualen zu beobachten ist. Bereits Kinder, und speziell Pubertierende, entwickeln ja als Zugehörigkeitszeichen zu ihrer Clique/Peergroup rasch eigene Grußrituale, die penibel einzuhalten sind. Ich gehe weiters auf die Frage ein, wer in einem Unternehmen wen zu grüßen habe, zitiere aus der Grußordnung eines internationalen Konzerns und schließe in der Regel mit dem Fazit, dass unser Grußverhalten schon ziemlich affig ist.

Dass das Grüßen jedoch nicht nur ein Orchideenthema eines vortragenden Verhaltensbiologen ist, zeigt eine mich sehr nachdenklich machende Schlagzeile der Medien der letzten Woche:

Eine Mehrheitsgesellschaft verweigert einem um Aufnahme ansuchenden Menschen die Teilnahme an dieser Gesellschaft, weil dieser Mensch das übliche Grußritual nicht annehmen möchte. Diese Gesellschaft steckt noch voll in der Pubertät, scheint mir.

Konkret: Einer Frau wurde in Frankreich die Staatsbürgerschaft nicht verliehen, weil sie das in Frankreich offensichtlich gewünschte Grußritual, den Handschlag, gegenüber Männern verweigert. Sie hatte alle Kriterien zur Verleihung der Staatsbürgerschaft erfüllt, und erst bei der Verleihungszeremonie selbst wurde ihr diesbezügliches Verweigern evident. Die Frau klagte ihr Recht ein, jedoch hat nach zwei Jahren das höchste französische Verwaltungsgericht gegen sie entschieden. Das Verweigern des Handgebens gegenüber Männern zeige, dass die Frau nicht in die französische Gesellschaft integriert sei. Sie muss „draußen“ bleiben.

Das Grüßen ist den Menschen wichtiger, als es mir notwendig scheint. Wir sitzen immer noch in den Bäumen, traurig.