#5: Empathie: Von der Savanne bis zum Westbahnhof

Wenn ich Keynotes über das Verhalten der Menschen zwischen Portiersloge und Führungsetage halte, komme ich nicht am Thema Empathie und Spiegelneurone vorbei. Die Fähigkeit zur Empathie, ermöglicht durch Spiegelneuronen, ist eine zentrale Eigenschaft von uns Menschen und beeinflusst unser Verhalten, gerade am Arbeitsplatz, massiv. Wir hatten ja auch über 1.6 Millionen Jahre hinweg noch keinen anderen Informationskanal zur Verfügung. Die Sprache war noch lange nicht erfunden.

Jetzt, wo wir die Sprache zum Teil ganz gut beherrschen und über unsere Vergangenheit als Homo erectus oder gar Australopithecus schmunzeln können, erleben wir diese ausgesprochen basale Fähigkeit nicht mehr oft bzw. nicht mehr sehr bewusst. Sie ist überlagert von Content aller Art. Es gibt sie aber noch, diese Momente, wo Neanderthaler_Menge_02_mdie Fähigkeit mitzufühlen heftig zu Tage tritt – und uns dann meistens überwältigt, weil wir es nicht mehr gewohnt sind, damit umzugehen.

Ich komme gerade vom Wiener Westbahnhof, ich war dort um zu helfen. Und dann saßen und lagen sie da: Babys, Kinder, kaum älter als zwei, drei Jahre. Ein Dreijähriges hat ein Zweijähriges gefüttert. Andere weinten, andere husteten heftig und andauernd. Das war so ein Moment, wo ich dringend Frischluft brauchte; Wind, um die Augen zu trocknen. Meine Spiegelneurone induzierten mir eine Emotion ausgesprochener Heftigkeit.

Wer Kinder hat, weiß wie sehr diese, als sie noch Babys waren, einen doch spiegeln, wie direkt und intensiv sie auf unsere leisesten Stimmungsschwankungen reagieren. Worte würden sie noch nicht verstehen, brauchen sie dazu auch nicht. Sie haben noch dieses unglaubliche Sensorium für ihre Eltern. Und gerade dies vor Augen, stelle ich mir vor, wie es den Kindern geht, deren Eltern eine dreiwöchige Flucht managen, die ihre Heimat verlassen müssen, Tage lang unter entsetzlichsten Bedingungen irgendwo zwischengelagert werden, bevor sie weiterflüchten dürfen … nass, kalt, krank. Die Eltern müssen vor den Kindern gute Miene zum tragischen Spiel machen. Ich bezweifle, dass ihnen das gelingt – den Kleinen kannst einfach nichts vormachen …

Wer auch helfen möchte, ist zum Beispiel am Wiener Westbahnhof herzlich willkommen. Bitte!

Hier die Infos für Hilfsbereite