derstandard.at: „Schlechte Laune – hohe Performance“

der standard karriereSchlechtgelaunte Mitarbeiter sind nicht nur kritischer und analytischer, sondern auch fairer und rücksichtsvoller.

Kaum eine andere Funktionseinheit innerhalb eines Unternehmens ist so gefürchtet, wie das Controlling. Gegenüber Mitarbeitern im Controlling gibt es jede Menge Vorurteile: Sie seien „Zahlenreiter“ – und meist übel gelaunt. Wen wundert’s? Alles im Auge zu bewahren – und das ist schließlich die Aufgabe von Controllern – kann ganz schön nervig sein. Und wie die Wissenschaft zeigt, machen schlechtgelaunte Mitarbeiter ihre Arbeit besser:  … [weiterlesen]

Dem Einfluss der Emotionen auf unser Verhalten widmet die Keynote „Wir Affen …“ breiten Raum – lässt aber noch genug Platz für weitere, spannende Themen.

#6 Rache als Ratgeber?

Wir waren noch in der Savanne unterwegs, als uns die Emotionen geholfen hatten, heikle Situationen ohne langes Nachzudenken zu überstehen oder gar zu überleben. Man kann die Emotionen durchaus als Abschneider hin zu einer schnellen Entscheidung betrachten. Kämpfe oder laufe – und zwar jetzt!

Die Emotionen waren und sind aber auch die Sprache, die wir Menschen, gemeinsam mit den anderen Wirbeltieren, von Geburt an sprechen. Wir kommunizieren via Emotionen unseren Status, teilen mit, wie es uns geht und helfen so unseren Mitmenschen im Umgang mit uns. So wie man bei einer Katze oder einem Hund erkennt, dass man das Tier jetzt besser in Ruhe lässt, erkennen wir, ob die Chefin gerade in der Verfassung ist, sich um die eigenen Anliegen zu kümmern. Wir brauchen diese Emotionen für unsere Strategiespiele untereinander, anders wäre Verhalten in der Großgruppe nicht möglich.

Die Emotionen stehen uns aber auch im Weg. Denn als rasches Entscheidungssubstitut verhindern sie ein bedachtes Abwägen von Argumenten. Sie machen unseren Handlungsspielraum eng und verhindern das Erkennen von unterschiedlichen Handlungsalternativen. Die Emotionen lassen uns glauben, die richtige Entscheidung zu kennen – das stellt sich oft als ein Irrtum heraus. Wir sind eben nicht mehr in der Savanne, sondern in Konferenzräumen. Wir haben unsere Umgebungen dramatisch verändert.

Wer also kluge Entscheidungen treffen möchte, tut gut daran, zuzuwarten, bis die eigene Emotionalität abgeklungen ist. Nur dann haben wir die Möglichkeit, alle Handlungsalternativen zu erkennen und über sie nachzudenken. In der Emotionalität hingegen begehen wir Taten wie Jähzorn und Rache. Wir glauben uns damit im Recht. Was für ein Irrtum. Leider ist das nicht das Privileg von Kleinkindern:Neanderthaler_Menge_02_m

Frankreich hat sofort mit intensivem Rache-Bombardement auf Rakka als Antwort auf die Terroranschläge von Paris geantwortet. Jähzorn und Rache sind jedoch selten gute Ratgeber auf dem Weg zu einer Problemlösung.

#1: Warum gerade Neanderthaler?

Neanderthaler! Klingt für viele nach faden Unterrichtsstunden, für manche nach Pfadfinderlager und für wenige nach packenden Studienjahren. Warum verwende ich ausgerechnet die Neanderthaler, um evolutionäre Hintergründe von uns Menschen herauszuarbeiten?

Unsere Vorfahren, die Vormenschen, werden Australopithecinen genannt. In Folge gibt es bereits die Gattung Homo: Homo habilis und Homo rudolfensis gelten auch als Urmenschen. Homo erectus war dann der erste, der wahrscheinlich Afrika verlassen hat. Dieser Homo erectus hat sich dann in Europa zu Homo neanderthalensis entwickelt – unserem Neanderthaler. Der in Afrika verbliebene Homo erectus entwickelte sich zu Homo sapiens, dem modernen Mensch.

Gregor Fauma mit Svante Pääbo

Rechts Svante Pääbo nebst Neanderthaler (links im Bild)

Mittlerweile hat Svante Pääbo gezeigt, dass es zu Durchmischungen von Neanderthalern und den heutigen Menschen, Homo sapiens sapiens, gekommen ist. Moderne DNA-Analysen lassen diesen Schluss zu.

Die Stammesgeschichte der Menschen bleibt dynamisch. Mit jedem neuen Fund wird sie ein wenig umgeschrieben. Ich verwende gerne den Begriff Neanderthaler, weil er bei vielen Menschen Bilder im Kopf erzeugt. Mit dem Homo rudolfensis würde mir das wahrscheinlich nicht gelingen.

Warum gerade Neanderthaler? Der Neanderthaler steht samt Neanderethalerin bei meinen Keynotes stellvertretend für sämtliche Vor-, Ur- und Frühmenschen, quasi als pars pro toto für unsere Vorgänger hier auf dem Planeten Erde.