Carlos Ghosn, typisch Evolution

Kannst nicht erfinden! Weil, gibt es längst.

Dass ein Top-Manager, dessen Gehalt exorbitant hoch ist, es trotzdem nicht lassen kann, sich darüber hinaus illegal zu bereichern, ist eine Sauerei. Und doch liegt es auch in der Natur des Menschen, sich so zu verhalten. Habe ich „auch“ geschrieben? Ja.

Carlos Ghosn war bis zu seiner Absetzung vor wenigen Tagen Chef des französischen Autobauers Renault und der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi und saß auch dem Verwaltungsrat von Mitsubishi vor. Weswegen wurde er abgesetzt? Er wird angeklagt, jahrelang ein deutlich zu niedriges Einkommen deklariert zu haben. Weiters soll er Firmenkapital veruntreut und sich damit Luxuswohnungen in einigen Ländern gekauft haben. Ghosn bekam, wie man so umgangssprachlich sagt, den Hals nicht voll und glaubte, sich ob seines Status´ alles erlauben zu dürfen.

Was treibt Menschen an, sich so zu verhalten?

Dazu gibt es vermutlich soziologische, psychologische und philosophische Ansätze, meiner jedoch bleibt ein evolutionärer, verhaltensbiologischer: Denn Amotz und Avishag Zahavi publizierten 1975 eine für die Verhaltensbiologie ungemein wichtige Theorie, nämlich das Handicap-Prinzip. Dieses beschreibt den Umstand, dass ein Handicap auch Stärke kommunizieren kann. Wer trotz eines Handicaps einen Wettbewerb mit seinen Konkurrenten gewinnt, wird demnach von seiner Umwelt als besonders stark, gesund und attraktiv empfunden. Dazu gehört auch das Vergeuden! Vergeuden von Kraft und Energie ist mitunter sinnvoll, weil man dadurch deutlich kommuniziert, dass man mehr als genug davon besitzt und somit etwas zu vergeuden hat – dass man es sich leisten kann! Ein dicker Pelzkragen bei männlichen Löwen in der Hitze der Savanne, ein gewaltiges Geweih im Unterholz bei Hirschen, viel zu lange und aufwendige Schwanzfedern beim Pfau – diese Strukturen kosten sehr viel Substanz und sind überdies auch noch hinderlich. Ideal, um zu zeigen, was man nicht für ein Held ist!

Und sehr oft sind es die Menschen, die sich ganz oben wähnen,  die meinen, sich alles erlauben zu können – als Signal ihres Status´. Es fängt mit Kleinigkeiten an: Man stellt das Auto dort ab, wo es am angenehmsten ist. Ob im Parkverbot oder quer über den Gehsteig – man kann es sich ja leisten. Oder man spricht laut davon, gerade eine oder zwei Millionen Euro in irgendeinem Projekterl versenkt zu haben. Macht ja nix, man kann es sich ja leisten. Wie sagte schon der Austrokanadier und Selfmade-Milliardär Frank Stronach: „So viel Geld kann ich gar nicht verlieren, dass ich nachher weniger habe.“ Jegliches Protzen ist nur ein zur Schau Stellen von Überfluss – es soll Macht, Stärke und Potenz in jeder Hinsicht suggerieren. Und das tut es auch, evolutionsbiologisch betrachtet. Sich über andere zu erheben, sich selbst über Gesetze und andere soziale Normen hinwegzusetzen, ist jene Versuchung, der manche Mächtige erliegen. Ihnen gehörte das „sapiens“ in der Artbezeichnung eigentlich wieder entzogen.