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Sager des Monats September

Der klassische Sager ist ja in den Medien beheimatet. Diese extreme Zuspitzung an Inhalten braucht man für knackige Interviews. Ist ein Sager aber gut geplant, so kann er genauso für Reden entlehnt oder diesen entnommen werden. Denn eine gute Rede zeichnet sich mitunter durch eine Art Refrain aus. Ein Satz, den man regelmäßig und abschnittsweise wiederholt. Viele kennen die Rede: „I have dream …“
Zündet die Rede, wird sie nach diesem Refrain/Sager/Claim benannt und geht in die Geschichte ein 😉

In die Geschichte wird bestimmt Greta Thunbergs Rede beim UN-Klimagipfel in NY eingehen. Diese Rede heißt bereits jetzt die „How dare you?!-Rede“. Mit Recht.

Aber nicht nur der iterative Einsatz dieses sehr emotional vorgetragenen Claims/Refrains erzeugt diese saugende Wirkung. Mich hat eine weitere Textstelle massiv beeindruckt:

„Because if you fully understood the situation and still kept failing to act, then you would be evil. And I refuse to believe that.“

Sie will nicht glauben, dass sie es mit bösen Menschen zu tun hat. Eher unterstellt sie jenen Menschen, die durch Ignoranz auffallen, mangelnde Einsicht. Und dazu fehlt Greta Thunberg jegliches Verständnis.

Ein unfassbar starke Rede, fantastisches Timing, tolle Struktur und mit einer unterdrückten, kochenden, vor der Eruption stehenden Emotionalität vorgetragen, dass einem beim Zusehen ganz anders wird. Hut ab, Frau Thunberg!

Sager des Monats August

In kurzem Abstand sind zwei Sager gefallen, die meines Erachtens besonders bemerkenswert sind. Da ist einerseits die knappe Antwort von Innenminister Peschorn im Live-Interview gegenüber Armin Wolf, der Peschorn frug, ob dieser zu gewissen Vorgängen mehr wisse:
„Sie wissen jedenfalls zu wenig.“
Diese schöne Wahrheit belegt aber nur den zweiten Platz. Gewonnen hat eine Journalistin, nämlich die Chefredakeurin der Tageszeitung KURIER. Sie kommentierte und bewertete den Auftritt der aktuellen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Rendi-Wagner erzählte im ORF-Sommergespräch, dass sie am Freitagabend ein Cordon bleu gegessen habe. Das wertete die Chefredakteurin Salomon als wenig glaubwürdig („ich glaub ihr kein Wort“) und sagte:

„So wie sie ausschaut, wird sie sich eher nur von ein paar Salatblättchen ernähren.“

Steht ihr so ein Kommentar zu? Sollten KommentatorInnen und JournalistInnen die Figur eines Menschen als Maßstab dessen Glaubwürdigkeit heranziehen? Wenn ja, dann ist das Martina Salomon mit dieser knappen, bildhaften Formulierung gelungen. Ich gehe davon aus, dass sie dies bereut – und gratuliere nicht.

Sager des Monats Juli

Auch in der Ferienzeit fiel mir ein wunderbarer Sager in den Medien auf, der zeigt, wie der Kunstgriff einer Metapher sich so ins Bewusstsein schneiden kann wie eine gut geschliffene Kante in den frisch vereisten Zielhang von Adelboden. Der Sager des Monats Juli geht an den besten alpinen Wintersportler der letzten Jahre, an Marcel Hirscher!

„Mir als Motocrossfahrer das Motorradfahren beizubringen, ist wie einem Deutschen das Skifahren zu lernen.“

Der Grammatikfehler läuft unter „charmant & authentisch“, die Botschaft sitzt, fast so wie das Werbe-Käppi bei seinen Interviews 😉

https://kurier.at/sport/motogp-bike-statt-skier-hirscher-erfuellte-sich-einen-traum/400546823

Sager des Monats Juni

Im Spitzensport sind in der Regel jene SportlerInnen ganz oben zu finden, die es einen Tick mehr hassen zu verlieren, als die anderen es tun. Nur allzu oft betonen SpitzensportlerInnen, dass es mehr die Angst vor Niederlagen als die Freude über einen Sieg ist, die sie antreibt. Und auch Rafael Nadal, spanischer Seriensieger im Tennisturnier von Roland Garros, fand entsprechende Worte bei seiner Siegerehrung dieses Jahr. Er wandte sich direkt an seinen Kontrahenten aus Österreich, Dominik Thiem, lobte seine stets freundliche Art und sagte dann:

„Wenn ich gegen jemanden verlieren will, dann gegen dich …“
I know how tough it is to lose finals but that’s the sport. If I wanted to lose to someone, it’s with you because you deserve it.

Diese Größe muss man erst einmal live zustande bringen. Big respect, Rafa!!! Damit hast Du Dir den Sager des Monats Juni verdient!


Sager des Monats Mai

Infineon-Chefin Sabine Herlitschka wird in der Tageszeitung KURIER vom 25.5.2019 damit konfrontiert, dass die EU das wichtige Match um billige Produktionskosten verloren habe. Sie antwortete darauf, dass sie deshalb gerade in der Digitalisierung die große Chance sehen würde, denn dabei zähle vor allem das Wissen. Und dann kommt der von mir gewählte Sager des Monats:

„Es zählen die besten Köpfe, nicht die billigsten Hände.“

Viel präziser, und dabei so einfach, kann man es gar nicht auf den Punkt bringen. Gratulation zum Sager des Monats Mai.

Sie wollen das auch können? Gerne, jederzeit, just call 0664 8498965 und wir machen uns ein Training/Coaching aus, damit auch Sie in Zukunft knapp und Verständlich Ihre Inhalte formulieren können.

Sager des Monats April

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, kurz NTC Heidelberg, postete auf Facebook, dass in einer Studie 157 Hautärzte von zwölf Universitätskliniken aus Deutschland gegen einen Algorithmus antraten und verloren:
Sowohl die Ärzte als auch der Algorithmus beurteilten 100 Bilder danach, ob es sich um ein Muttermal oder einen schwarzen Hautkrebs handle. Am Ende war die künstliche Intelligenz erfolgreicher als die klinische Diagnostik. Die Diagnose von Hautveränderungen allein durch den Algorithmus ist allerdings nach Meinung der Heidelberger Wissenschaftler nicht zu empfehlen. Wie ist das nun zu verstehen? Wenn es die AI doch besser kann …?

Die Antwort darauf von Titus Brinker, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DKFZ, NCT Heidelberg sowie Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.  wurde zu meinem Sager des Monats April:

„Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot hingegen Verantwortung übernehmen. Das kann ein Computer so allein nicht leisten.“

Analogien bieten sich in Interviews immer dann an, wenn der eigene, konkrete Fall für kurze Formulierung zu komplex scheint. Das üben wir in meinen Trainings. Analogien, wie jene des Autopiloten im Flugzeug, ist leicht zu folgen, sind leicht zu verstehen und letztendlich zustimmend abzunicken. Ein tolles Beispiel aus Deutschland. Gratulation!

Sager des Monats März

Da ich wieder mehr als Medientrainer eingesetzt bin, prämiere ich 2019 die „Sager des Monats“: Welcher OT (Originalton/Zitat), welcher Sager hat mich am meisten beeindruckt?

Im März war es ganz einfach. Sarah Wiener ist mit der Förderpolitik der EU in der Landwirtschaft nicht ganz zufrieden und bringt dies folgender Maßen zum Ausdruck:

„Momentan wird etwas gefördert, das verursacht, dass sogar ich Glyphosat pinkle!“

Prinzipiell lehren Medientrainer wie ich, unter anderem, in Bildern zu sprechen. Und doch wünscht man sich manchmal, dass gewisse Bilder erst gar nicht entstehen.

Ich gratuliere herzlich zum Sager der Monats März.

Sager des Monats Februar

Im Februar fiel die Wahl erneut nicht schwer, wieder kommt der Sager des Monats aus dem JuristInnen-Eck: Die Vizepräsidentin der Vereinigung der Strafverteidiger, Alexia Stuefer, ist mit der geplanten Strafverschärfung bei Gewalt- und Sexualverbrechen nicht ganz glücklich und bringt dies im Gespräch mit dem Standard (11.2.2019) wunderbar präzise und bildhaft zum Ausdruck:

„Das ist Politik für Postings, nicht für die Menschen.“

Gratulation zum Sager des Monats Februar!

Sager des Monats Januar

Da ich in letzter Zeit wieder sehr als Medientrainer gefragt bin, möchte ich gerne 2019 jeweils den „Sager des Monats“ prämieren. Welcher OT (Originalton/Zitat) hat mich am meisten beeindruckt?

Im Januar ist mir die Wahl sehr leicht gefallen. Es war in einem innenpolitischen Artikel der Tageszeitung KURIER (8.1.19), in dem ich den Sager des Monats der Präsidentin der Richtervereinigung, Sabine Matejka, fand. So meinte sie zum Gesetzesentwurf der Regierung, vorzeitig entlassene Straftäter ab einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten für diesen Zeitraum von der Mindestsicherung auszuschließen:

„Die Sanktionierung von Straftaten ist ausschließlich Aufgabe der Justiz und nicht des Sozialsystems.“

Präziser geht es nicht – wunderschön prägnant, einfach und maximal deutlich. Ein simpler Hauptsatz, der alles dazu notwendig sagt. Ich gratuliere zum Sager des Monats Januar!

Carlos Ghosn, typisch Evolution

Kannst nicht erfinden! Weil, gibt es längst.

Dass ein Top-Manager, dessen Gehalt exorbitant hoch ist, es trotzdem nicht lassen kann, sich darüber hinaus illegal zu bereichern, ist eine Sauerei. Und doch liegt es auch in der Natur des Menschen, sich so zu verhalten. Habe ich „auch“ geschrieben? Ja.

Carlos Ghosn war bis zu seiner Absetzung vor wenigen Tagen Chef des französischen Autobauers Renault und der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi und saß auch dem Verwaltungsrat von Mitsubishi vor. Weswegen wurde er abgesetzt? Er wird angeklagt, jahrelang ein deutlich zu niedriges Einkommen deklariert zu haben. Weiters soll er Firmenkapital veruntreut und sich damit Luxuswohnungen in einigen Ländern gekauft haben. Ghosn bekam, wie man so umgangssprachlich sagt, den Hals nicht voll und glaubte, sich ob seines Status´ alles erlauben zu dürfen.

Was treibt Menschen an, sich so zu verhalten?

Dazu gibt es vermutlich soziologische, psychologische und philosophische Ansätze, meiner jedoch bleibt ein evolutionärer, verhaltensbiologischer: Denn Amotz und Avishag Zahavi publizierten 1975 eine für die Verhaltensbiologie ungemein wichtige Theorie, nämlich das Handicap-Prinzip. Dieses beschreibt den Umstand, dass ein Handicap auch Stärke kommunizieren kann. Wer trotz eines Handicaps einen Wettbewerb mit seinen Konkurrenten gewinnt, wird demnach von seiner Umwelt als besonders stark, gesund und attraktiv empfunden. Dazu gehört auch das Vergeuden! Vergeuden von Kraft und Energie ist mitunter sinnvoll, weil man dadurch deutlich kommuniziert, dass man mehr als genug davon besitzt und somit etwas zu vergeuden hat – dass man es sich leisten kann! Ein dicker Pelzkragen bei männlichen Löwen in der Hitze der Savanne, ein gewaltiges Geweih im Unterholz bei Hirschen, viel zu lange und aufwendige Schwanzfedern beim Pfau – diese Strukturen kosten sehr viel Substanz und sind überdies auch noch hinderlich. Ideal, um zu zeigen, was man nicht für ein Held ist!

Und sehr oft sind es die Menschen, die sich ganz oben wähnen,  die meinen, sich alles erlauben zu können – als Signal ihres Status´. Es fängt mit Kleinigkeiten an: Man stellt das Auto dort ab, wo es am angenehmsten ist. Ob im Parkverbot oder quer über den Gehsteig – man kann es sich ja leisten. Oder man spricht laut davon, gerade eine oder zwei Millionen Euro in irgendeinem Projekterl versenkt zu haben. Macht ja nix, man kann es sich ja leisten. Wie sagte schon der Austrokanadier und Selfmade-Milliardär Frank Stronach: „So viel Geld kann ich gar nicht verlieren, dass ich nachher weniger habe.“ Jegliches Protzen ist nur ein zur Schau Stellen von Überfluss – es soll Macht, Stärke und Potenz in jeder Hinsicht suggerieren. Und das tut es auch, evolutionsbiologisch betrachtet. Sich über andere zu erheben, sich selbst über Gesetze und andere soziale Normen hinwegzusetzen, ist jene Versuchung, der manche Mächtige erliegen. Ihnen gehörte das „sapiens“ in der Artbezeichnung eigentlich wieder entzogen.