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Sager des Monats April

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, kurz NTC Heidelberg, postete auf Facebook, dass in einer Studie 157 Hautärzte von zwölf Universitätskliniken aus Deutschland gegen einen Algorithmus antraten und verloren:
Sowohl die Ärzte als auch der Algorithmus beurteilten 100 Bilder danach, ob es sich um ein Muttermal oder einen schwarzen Hautkrebs handle. Am Ende war die künstliche Intelligenz erfolgreicher als die klinische Diagnostik. Die Diagnose von Hautveränderungen allein durch den Algorithmus ist allerdings nach Meinung der Heidelberger Wissenschaftler nicht zu empfehlen. Wie ist das nun zu verstehen? Wenn es die AI doch besser kann …?

Die Antwort darauf von Titus Brinker, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DKFZ, NCT Heidelberg sowie Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.  wurde zu meinem Sager des Monats April:

„Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot hingegen Verantwortung übernehmen. Das kann ein Computer so allein nicht leisten.“

Analogien bieten sich in Interviews immer dann an, wenn der eigene, konkrete Fall für kurze Formulierung zu komplex scheint. Das üben wir in meinen Trainings. Analogien, wie jene des Autopiloten im Flugzeug, ist leicht zu folgen, sind leicht zu verstehen und letztendlich zustimmend abzunicken. Ein tolles Beispiel aus Deutschland. Gratulation!

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Sager des Monats März

Da ich wieder mehr als Medientrainer eingesetzt bin, prämiere ich 2019 die „Sager des Monats“: Welcher OT (Originalton/Zitat), welcher Sager hat mich am meisten beeindruckt?

Im März war es ganz einfach. Sarah Wiener ist mit der Förderpolitik der EU in der Landwirtschaft nicht ganz zufrieden und bringt dies folgender Maßen zum Ausdruck:

„Momentan wird etwas gefördert, das verursacht, dass sogar ich Glyphosat pinkle!“

Prinzipiell lehren Medientrainer wie ich, unter anderem, in Bildern zu sprechen. Und doch wünscht man sich manchmal, dass gewisse Bilder erst gar nicht entstehen.

Ich gratuliere herzlich zum Sager der Monats März.

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Sager des Monats Februar

Im Februar fiel die Wahl erneut nicht schwer, wieder kommt der Sager des Monats aus dem JuristInnen-Eck: Die Vizepräsidentin der Vereinigung der Strafverteidiger, Alexia Stuefer, ist mit der geplanten Strafverschärfung bei Gewalt- und Sexualverbrechen nicht ganz glücklich und bringt dies im Gespräch mit dem Standard (11.2.2019) wunderbar präzise und bildhaft zum Ausdruck:

„Das ist Politik für Postings, nicht für die Menschen.“

Gratulation zum Sager des Monats Februar!

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Sager des Monats Januar

Da ich in letzter Zeit wieder sehr als Medientrainer gefragt bin, möchte ich gerne 2019 jeweils den „Sager des Monats“ prämieren. Welcher OT (Originalton/Zitat) hat mich am meisten beeindruckt?

Im Januar ist mir die Wahl sehr leicht gefallen. Es war in einem innenpolitischen Artikel der Tageszeitung KURIER (8.1.19), in dem ich den Sager des Monats der Präsidentin der Richtervereinigung, Sabine Matejka, fand. So meinte sie zum Gesetzesentwurf der Regierung, vorzeitig entlassene Straftäter ab einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten für diesen Zeitraum von der Mindestsicherung auszuschließen:

„Die Sanktionierung von Straftaten ist ausschließlich Aufgabe der Justiz und nicht des Sozialsystems.“

Präziser geht es nicht – wunderschön prägnant, einfach und maximal deutlich. Ein simpler Hauptsatz, der alles dazu notwendig sagt. Ich gratuliere zum Sager des Monats Januar!

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Carlos Ghosn, typisch Evolution

Kannst nicht erfinden! Weil, gibt es längst.

Dass ein Top-Manager, dessen Gehalt exorbitant hoch ist, es trotzdem nicht lassen kann, sich darüber hinaus illegal zu bereichern, ist eine Sauerei. Und doch liegt es auch in der Natur des Menschen, sich so zu verhalten. Habe ich „auch“ geschrieben? Ja.

Carlos Ghosn war bis zu seiner Absetzung vor wenigen Tagen Chef des französischen Autobauers Renault und der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi und saß auch dem Verwaltungsrat von Mitsubishi vor. Weswegen wurde er abgesetzt? Er wird angeklagt, jahrelang ein deutlich zu niedriges Einkommen deklariert zu haben. Weiters soll er Firmenkapital veruntreut und sich damit Luxuswohnungen in einigen Ländern gekauft haben. Ghosn bekam, wie man so umgangssprachlich sagt, den Hals nicht voll und glaubte, sich ob seines Status´ alles erlauben zu dürfen.

Was treibt Menschen an, sich so zu verhalten?

Dazu gibt es vermutlich soziologische, psychologische und philosophische Ansätze, meiner jedoch bleibt ein evolutionärer, verhaltensbiologischer: Denn Amotz und Avishag Zahavi publizierten 1975 eine für die Verhaltensbiologie ungemein wichtige Theorie, nämlich das Handicap-Prinzip. Dieses beschreibt den Umstand, dass ein Handicap auch Stärke kommunizieren kann. Wer trotz eines Handicaps einen Wettbewerb mit seinen Konkurrenten gewinnt, wird demnach von seiner Umwelt als besonders stark, gesund und attraktiv empfunden. Dazu gehört auch das Vergeuden! Vergeuden von Kraft und Energie ist mitunter sinnvoll, weil man dadurch deutlich kommuniziert, dass man mehr als genug davon besitzt und somit etwas zu vergeuden hat – dass man es sich leisten kann! Ein dicker Pelzkragen bei männlichen Löwen in der Hitze der Savanne, ein gewaltiges Geweih im Unterholz bei Hirschen, viel zu lange und aufwendige Schwanzfedern beim Pfau – diese Strukturen kosten sehr viel Substanz und sind überdies auch noch hinderlich. Ideal, um zu zeigen, was man nicht für ein Held ist!

Und sehr oft sind es die Menschen, die sich ganz oben wähnen,  die meinen, sich alles erlauben zu können – als Signal ihres Status´. Es fängt mit Kleinigkeiten an: Man stellt das Auto dort ab, wo es am angenehmsten ist. Ob im Parkverbot oder quer über den Gehsteig – man kann es sich ja leisten. Oder man spricht laut davon, gerade eine oder zwei Millionen Euro in irgendeinem Projekterl versenkt zu haben. Macht ja nix, man kann es sich ja leisten. Wie sagte schon der Austrokanadier und Selfmade-Milliardär Frank Stronach: „So viel Geld kann ich gar nicht verlieren, dass ich nachher weniger habe.“ Jegliches Protzen ist nur ein zur Schau Stellen von Überfluss – es soll Macht, Stärke und Potenz in jeder Hinsicht suggerieren. Und das tut es auch, evolutionsbiologisch betrachtet. Sich über andere zu erheben, sich selbst über Gesetze und andere soziale Normen hinwegzusetzen, ist jene Versuchung, der manche Mächtige erliegen. Ihnen gehörte das „sapiens“ in der Artbezeichnung eigentlich wieder entzogen.

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Signale des Dazugehörens

Im Rahmen meiner Keynote „Unter Affen – warum das Büro ein Dschungel ist“ behandle ich auch das Thema „Grüßen“. Das mag auf den ersten Blick nicht viel hergeben – das täuscht jedoch.

Ich leite das Grüßen erst zoologisch, dann anthropologisch her, erkläre, wie Menschenaffen einander grüßen und was bei Steinzeitjägern im Rahmen von Grußritualen zu beobachten ist. Bereits Kinder, und speziell Pubertierende, entwickeln ja als Zugehörigkeitszeichen zu ihrer Clique/Peergroup rasch eigene Grußrituale, die penibel einzuhalten sind. Ich gehe weiters auf die Frage ein, wer in einem Unternehmen wen zu grüßen habe, zitiere aus der Grußordnung eines internationalen Konzerns und schließe in der Regel mit dem Fazit, dass unser Grußverhalten schon ziemlich affig ist.

Dass das Grüßen jedoch nicht nur ein Orchideenthema eines vortragenden Verhaltensbiologen ist, zeigt eine mich sehr nachdenklich machende Schlagzeile der Medien der letzten Woche:

Eine Mehrheitsgesellschaft verweigert einem um Aufnahme ansuchenden Menschen die Teilnahme an dieser Gesellschaft, weil dieser Mensch das übliche Grußritual nicht annehmen möchte. Diese Gesellschaft steckt noch voll in der Pubertät, scheint mir.

Konkret: Einer Frau wurde in Frankreich die Staatsbürgerschaft nicht verliehen, weil sie das in Frankreich offensichtlich gewünschte Grußritual, den Handschlag, gegenüber Männern verweigert. Sie hatte alle Kriterien zur Verleihung der Staatsbürgerschaft erfüllt, und erst bei der Verleihungszeremonie selbst wurde ihr diesbezügliches Verweigern evident. Die Frau klagte ihr Recht ein, jedoch hat nach zwei Jahren das höchste französische Verwaltungsgericht gegen sie entschieden. Das Verweigern des Handgebens gegenüber Männern zeige, dass die Frau nicht in die französische Gesellschaft integriert sei. Sie muss „draußen“ bleiben.

Das Grüßen ist den Menschen wichtiger, als es mir notwendig scheint. Wir sitzen immer noch in den Bäumen, traurig.

 

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#13 Falco, Amadeus und ein Trainings-Feedback

„Scheiße“, war das Erste, was Falco im März 1986 im Gastgarten des Cafe Segafredo am Wiener Graben sagte, als ihm sein Manager per Telefon mitteilte, dass er mit dem Hit „Rock Me Amadeus“ gerade die Nummer Eins der US-Charts geworden sei. Und er hatte so recht. Er wusste in diesem Moment, dass es für ihn keine Steigerung mehr geben würde. Er würde dieses Ziel maximal wiederholen können, aber überbieten ginge nicht mehr. Und er wusste wahrscheinlich auch, dass ab nun solche Erfolge von ihm erwartet werden würden – und dass er an diesem Druck zerbrechen werde.

Vermutlich hat er im Anschluss eine Flasche Whiskey bestellt und ist in Folge mit ein paar Girls abgezogen.

Und jetzt voller Anmaßung zu mir. Ich hatte vor rund einem Jahr ein Trainings-Feedback bekommen, das mich zu Falcos Äußerung veranlasste: Alle TeilnehmerInnen eines zweitägigen Redetrainings gaben mir anonym und automatisch ausgewertet eine glatte 1,0 in sämtlichen Kategorien. Dazu muss man wissen, dass ich vor diesen Trainings regelrecht „Schiss“ habe, da die TN von der Verwaltungsakademie des Bundes vom Bundeskanzerlamt stammen. Gestandene Ministerialbeamte, sehr kritisch, sehr gebildet, schon viel im Trainingssektor erlebt, bunt gemischt und in dieser gemischten Gruppe durchaus delikat durch die beiden Tage zu bringen. Von diesen TN einen glatte 1,0 in allen Kategorien war für mich wie für Falco die Nr. 1 in den US-Charts. Und jetzt kommt´s: Ich konnte diesen Erfolg im September 2017 wiederholen – diesmal mit einem neu entworfenen Training namens „Wahrhaftig präsentieren“. Das Bundeskanzleramt war nämlich nach dieser 1,0 mit dem Wunsch an mich herangetreten, ob ich nicht etwas Spezielles im Bereich des Präsentierens zusätzlich anbieten könnte. Ich konnte und erhielt erneut eine 1,0 in allen Kategorien und von allen TeilnehmerInnen. Der Druck vor dem nun anstehenden zweitägigen Rede-Training im Dezember war damit schon gewaltig – ich konnte nur noch schlechter werden.

Das Training verlief … vom Gefühl her gut wie immer. Da ich Whiskey nur in kleinen Dosen (nicht: aus kleine Dosen) trinke, mit Girls in der Regel auch nicht abziehe … so wartete ich ganz sittsam auf das Feedback des Dezembertrainings.

Und endlich: Endlich gab mir ein TN in der Kategorie „Gesamteindruck des Vortragenden“ nur einen Zweier, sonst wieder überall und von allen anderen nur Einser. *Klonk* ist das Geräusch des Steins, der mir vom Herzen gefallen ist – endlich darf ich mich nach dieser unfassbaren Schwächephase im Dezember wieder steigern, 2018 wird mein Jahr.

Falco, schau´ oba – so geht des …

 

Hier ein paar vor Eigenlob triefende Zitate, die mich trotzdem so freuen:

  • Großartiges Seminar!
  • Dieses Seminar war sehr wertvoll für mich. Konnte sehr viel für mich persönlich mitnehmen.
  • Die Art und Weise wie die Seminarinhalte vermittelt wurden, war sehr kurzweilig und pfiffig. Einzelne Übungen waren genial und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Die Inputs und Feedbacks sind von großer Relevanz fürs Berufsleben.
  • Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Seminar.
  • zu kurz, ein zusätzlicher Tag wäre wünschenswert
  • Ein follow up wäre insofern von Vorteil, als das Gelehrte in der Praxis besonders beobachtet würde, … und im Rahmen eines follow up wären die gewonnenen Erkenntnisse zu präsentieren etc.
  • Gregor Fauma hat es geschafft, aus den durch ihr vieles Wissen und den ständigen Umgang mit elekronischem Akt und Internet vorsichtigen und auf den ersten Blick langweiligen Beamten packende und faszinierende Erzähler zu machen. Vielen Dank!
  • Tolle Inputs für die persönliche und berufliche Entwicklung. Sehr empfehlenswert.
  • Es wurden wirklich hilfreiche Konzepte vermittelt, die auch gleich im Rahmen von Übungen „ausprobiert“ werden konnten. Auch aufgrund der engagierten Gruppe hat sich ein wirklich bereicherndes Seminar entwickelt.
  • Das Seminar war nicht nur lehrreich und hat neue Aspekte vermittelt, es war auch spannend!
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#12 Die Rhetorik des Peter Pilz

Ich möchte kurz über die Rhetorik von Peter Pilz ein paar Worte verlieren. Vorweg, was war geschehen: Peter Pilz, Parteichef der Liste Pilz, die den Einzug in den Nationalrat geschafft hat, wurde in zwei unterschiedlichen Fällen sexuelle Belästigung  vorgeworfen. Peter Pilz hatte ein paar Tage Zeit, sich eine Strategie zurechtzulegen. Wofür entschied er sich?

Meines Erachtens bediente er sich des Drama-Dreiecks, das in einer Konfliktsituation drei teilnehmende Rollen scharf definiert: Einen Täter, ein Opfer und einen Retter. Der Täter sorgt für das Opfer, der Retter agiert im Sinne des Opfers und konfrontiert den Täter mit seiner Tat. Wird man von den Medien als möglicher Täter betrachtet, so hat man demnach nur zwei Möglichkeiten, die Täterrolle zu verlassen. Man kann in die Rolle des Retters schlüpfen, beziehungsweise sich an deren Seite stellen und Sätze formulieren wie: „Ich werde alles unternehmen, um aufzuklären … das darf nie wieder passieren … es ist in meinem Interesse, den Schuldigen zu finden“.  Oder man wählt eine andere Strategie und übernimmt die Rolle des Opfers. Man stellt andere als Täter dar: „Das ist eine Kampagne gegen mich … die Fehler sind wo anders passiert … da versucht jemand, mich zu diskreditieren … ich habe den Schaden“.

Peter Pilz hat sich im ersten vorgeworfenen Fall (sexuelle Belästigung einer seiner Mitarbeiterinnen) für die Opferrolle entschieden. Er schiebt die Rolle des Täters seiner alten Partei in die Schuhe und suggeriert, dass diese ihm schaden wolle.

Im zweiten Fall (sexuelle Übergriffe auf eine Frau vor Zeugen) gibt er vor, sich nicht an die Übergriffe erinnern zu können („stark alkoholisiert“). Aber auch hier gelingt es ihm, in die Opferrolle zu schlüpfen, da er seine eigenen moralischen Ansprüche zum abstrakten Täter macht. Er übernimmt zwar die Verantwortung für sein Tun und tritt zurück, macht dies aber im Schein einer selbstgefälligen Opferrolle.

Und zum Abschluss verknüpfte er ein „mea culpa“ mit einem rhetorischen Trick: Er stellte sich als Teil einer größeren Menge dar und verwässert damit sein individuelles Fehlverhalten: „Ich bin einer dieser mächtigen, älteren Männer, die zum Teil noch aus anderen politischen Kulturen kommen …“. Er verallgemeinert seine Tat und tut so, als ob das in seiner Generation halt so üblich wäre. Damit relativiert er sein Verhalten.

Peter Pilz gilt zu Recht als rhetorisch brillant – wiewohl seine Strategie samt Taktik diesmal schon sehr offensichtlich waren.

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#11 Was Roger Federer, lange Ski und Medientrainings gemein haben

„Aber bin ich dann noch authentisch …?“ ist die meist gestellte Frage im Rahmen meiner Medien- Rede- und Präsentationstrainings. Meine Kunden stellen mir immer dann diese Frage, wenn sie sich mit einer neuen Technik anfangs schwertun, wenn sie ihre Komfortzone verlassen sollten. Mit der Frage nach der fehlenden Authentizität verpacken sie in Wahrheit nur ihre Kritik und Zweifel an dieser neuen Technik. Das ist nur allzu menschlich. Als Trainer und Verhaltensbiologe würde es mir wahrscheinlich fehlen, käme es nicht 😉

Ich meine, dass hinter einer Authentizität immer ein Können, ein Vermögen steckt. Etwas authentisch umzusetzen bedeutet für mich, es auf die einem eigene Art und Weise umzusetzen, unverwechselbar und womöglich einzigartig. Und um etwas umsetzen zu können, sollte man es vorher auch beherrschen.

Ich bringe da gerne Analogien aus dem Sport. Als 72er-Jahrgang habe ich, und wahrscheinlich alle anderen, die in den frühen 80ern in Österreich Skifahren gelernt haben, ein und dieselbe Technik von den Skilehrern gelehrt bekommen: Talski belasten, Bergski entlasten bis anheben, Oberkörper zeigt zum Tal, Hoch-Tief, Arme draußen – und geht schon. Das war die einzig funktionierende Technik, wirklich lange Ski sicher um die Kurve und damit den Hang hinunter zu bringen. Und wir alle haben diese eine Technik gelernt. Aber ein jeder, eine jede von uns fährt einen ihr ganz eigenen Schwung. Dahinter steckt aber stets ein und dieselbe Technik.

Ähnlich beim Tennis, zum Beispiel eine funktionierende Vorhand: Seitlich und ruhig stehen, Ball fixieren, Ball vor dem Körper treffen, durchschwingen, … und ich kenne keinen Hobbyspieler, der nicht seine ihm eigene Art und Weise hätte, diesen Schlag durchzuführen. Selbst die absoluten Profis des Tennissports spielen exakt eine funktionierende Technik bei der Vorhand, und trotzdem sieht eine Vorhand eines Roger Federers ganz anders aus als die Vorhand eines Rafa Nadals. Im Moment der Ballberührung freilich nicht – der liegt eine funktionierende Technik zu Grunde. Der Rest ist Authentizität.

To make a long story short: Erst muss man etwas lernen, in Folge auch beherrschen, um es dann authentisch durchführen zu können. Sei es ein Schwung beim Skifahren, eine Tennis-Vorhand oder eine rhetorische Technik samt unterstützender Mimik.

Und wer jetzt interessiert ist, wie eine gute Tennisvorhand funktioniert, schaue einmal da rein:  [klick]

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#10: Lame Duck Barack? Spieltheoretisch nicht unbedingt.

Die Sache  mit der Kooperation unter uns eigentlich stets um Ressourcen aller Art konkurrierenden Menschen ist folgende: Auf den ersten Blick mag es nicht gewinnbringend scheinen, fremden oder nahe stehenden Mitmenschen uneigennützig zu helfen/kooperieren. Ganz im Gegenteil: Die fettesten Gewinne fährt man in der Regel auf Kosten anderer ein. Und trotzdem scheint sich die kooperative Verhaltensstrategie bei uns festgesetzt zu haben – zumindest bei den meisten von uns Menschen. Und das reicht auch, um sie manifest zu halten.

Anatoli Rapoport hat den Algorithmus erfunden, der zeigt, wie sich kooperatives Verhalten langfristig in einer Population durchsetzen kann. Er nannte diese Strategie Tit-for-Tat und sie besagt, dass wir in einer Interaktion mit einem Mitmenschen kooperativ beginnen sollten, und ab dann das Verhalten des Gegenübers spiegeln. Dadurch ahndet entweder man sofort „Nicht-Kooperation“ und belohnt aber auch gleich „Kooperation“. So konnte sich das Phänomen Kooperation langfristig bei uns Homo sapiens etablieren. Unter einer Voraussetzung, wie Rapoport anmerkte: Das Ende der Interaktion darf nicht absehbar sein. Sowie das Ende absehbar wird, sind mitunter die Strategien des „Nicht-Kooperierens/Betrugs“ gewinnbringender als die kooperativen.

Wie das in der Praxis aussieht? Ganz einfach ein bisserl Weltpolitik verfolgen! Barack Obama hat Rapoports Algorithmus perfekt nachgelebt: In den letzten Tagen seiner Präsidentschaft, das Ende mehr nahe als absehbar, hat er begonnen, rigidere Verhaltensweisen zu zeigen als inmitten seiner Präsidentschaft. So hat er zum Beispiel 35 russische Diplomaten wegen der Email-Hacker-Geschichte mir nichts dir nichts ausgewiesen. So resolut gab es das zuvor nicht. Und im UNO-Sicherheitsrat haben die USA in einer Abstimmung zu den israelischen Siedlungsgebieten im Westjordanland erstmals auf ihr Veto-Recht verzichtet. Für Israel ein Affront, für Obama egal – weder er noch seine Partei müssen das jetzt auslöffeln, korrigieren, fortsetzen, was auch immer.

Ist das Ende einer Interaktion/Zusammenarbeit absehbar, fangen wir Menschen mitunter an, die kooperativen Strategien bleiben zu lassen und trachten danach, noch schnell möglichst viel mitzunehmen, bevor das Tor zufällt. Sapiens?

Aber wie hat Putin reagiert? Wissend, dass es eine neue Interaktion geben wird, nämlich mit Donald Trump, hat er gelassen wie nie reagiert und über Obamas Diplomatenausweisungen großzügig hinweggesehen. Auch er hat seinen Rapoport gelesen und fängt eine neue Interaktion mit einem Kooperations-Angebot an. Mal sehen, wie das weitergeht.

Dass Tit-for-Tat auch tagtäglich am Arbeitsplatz gespielt wird, lässt sich
einerseits hier gut nachlesen, oder im Rahmen meiner Keynote „Unter Affen“ am besten live erfahren. Sie sind am Zug.

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