#10: Lame Duck Barack? Spieltheoretisch nicht unbedingt.

Die Sache  mit der Kooperation unter uns eigentlich stets um Ressourcen aller Art konkurrierenden Menschen ist folgende: Auf den ersten Blick mag es nicht gewinnbringend scheinen, fremden oder nahe stehenden Mitmenschen uneigennützig zu helfen/kooperieren. Ganz im Gegenteil: Die fettesten Gewinne fährt man in der Regel auf Kosten anderer ein. Und trotzdem scheint sich die kooperative Verhaltensstrategie bei uns festgesetzt zu haben – zumindest bei den meisten von uns Menschen. Und das reicht auch, um sie manifest zu halten.

Anatoli Rapoport hat den Algorithmus erfunden, der zeigt, wie sich kooperatives Verhalten langfristig in einer Population durchsetzen kann. Er nannte diese Strategie Tit-for-Tat und sie besagt, dass wir in einer Interaktion mit einem Mitmenschen kooperativ beginnen sollten, und ab dann das Verhalten des Gegenübers spiegeln. Dadurch ahndet entweder man sofort „Nicht-Kooperation“ und belohnt aber auch gleich „Kooperation“. So konnte sich das Phänomen Kooperation langfristig bei uns Homo sapiens etablieren. Unter einer Voraussetzung, wie Rapoport anmerkte: Das Ende der Interaktion darf nicht absehbar sein. Sowie das Ende absehbar wird, sind mitunter die Strategien des „Nicht-Kooperierens/Betrugs“ gewinnbringender als die kooperativen.

Wie das in der Praxis aussieht? Ganz einfach ein bisserl Weltpolitik verfolgen! Barack Obama hat Rapoports Algorithmus perfekt nachgelebt: In den letzten Tagen seiner Präsidentschaft, das Ende mehr nahe als absehbar, hat er begonnen, rigidere Verhaltensweisen zu zeigen als inmitten seiner Präsidentschaft. So hat er zum Beispiel 35 russische Diplomaten wegen der Email-Hacker-Geschichte mir nichts dir nichts ausgewiesen. So resolut gab es das zuvor nicht. Und im UNO-Sicherheitsrat haben die USA in einer Abstimmung zu den israelischen Siedlungsgebieten im Westjordanland erstmals auf ihr Veto-Recht verzichtet. Für Israel ein Affront, für Obama egal – weder er noch seine Partei müssen das jetzt auslöffeln, korrigieren, fortsetzen, was auch immer.

Ist das Ende einer Interaktion/Zusammenarbeit absehbar, fangen wir Menschen mitunter an, die kooperativen Strategien bleiben zu lassen und trachten danach, noch schnell möglichst viel mitzunehmen, bevor das Tor zufällt. Sapiens?

Aber wie hat Putin reagiert? Wissend, dass es eine neue Interaktion geben wird, nämlich mit Donald Trump, hat er gelassen wie nie reagiert und über Obamas Diplomatenausweisungen großzügig hinweggesehen. Auch er hat seinen Rapoport gelesen und fängt eine neue Interaktion mit einem Kooperations-Angebot an. Mal sehen, wie das weitergeht.

Dass Tit-for-Tat auch tagtäglich am Arbeitsplatz gespielt wird, lässt sich
einerseits hier gut nachlesen, oder im Rahmen meiner Keynote „Unter Affen“ am besten live erfahren. Sie sind am Zug.