#7 Kalender Lustkiller

Wer viel arbeitet, hat viel zu tun. Vieles funktioniert in Teams nur, in dem Termine ausgemacht und eingehalten werden. Dazu werden gleich mehrere Termine an die notwendigen Teilnehmer ausgeschickt, eine Rundfrage wird gestartet, und wenn hoffentlich nicht benötigte Termine sauber wieder gelöscht werden, bleibt ein Termin als Ergebnis bestehen. Wieder einmal geschafft, das Team kann sich zusammensetzen. So geht es Tag ein Tag aus, gegenüber Mitarbeiterinnen, Kunden und Lieferanten.

Das setzt sich aber auch privat fort. „Schatz, hast Du am 13.2. am Abend Zeit, ich hätte da eine Fortbildung …“ Blick auf den Outlook-Terminkalender, „ja, geht“, den Termin natürlich eintragen, damit er nicht verloren geht. Dann findet man abends im Posteingang die Einladung zur Teilnahme an einem Doodle … die nächste Terminanfrage. Und Muttern möchte wissen, ob wir zu Ostern da sein werden oder wieder nach Heiligenblut fahren ….

Der Besuch im Spitzenrestaurant – ohne Tischreservierung vier bis sechs Wochen in advance geht da gar nichts. Das Konzert der Hosen in vier Monaten – dafür muss ich mich heute entscheiden. Das Kindermusical in der Stadthalle in sieben Wochen, Tickets heute und jetzt. Der eigene Geburtstag – wenn mit Eltern und Freunde geffaumasujeteiert, dann lang vorher vereinbart. Der Thermenaufenthalt am verlängerten Mai-Wochenende – nur möglich, wenn Monate vorher gebucht.

Nichts geht mehr ohne Kalender, alles Freuden des Lebens werden zu einem Termin. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind die Lust und die Spontaneität. Bock auf ein schnelles Bierchen mit Freunden – forget it! Lust, heute das neue, gehypte Lokale aufzusuchen – no way. Was, heute spielen Russkaja und Shantel im WUK? Natürlich keine Karten …

Die Tatsache, Lust und Freude Monate voraus zu antizipieren, stellt mich vor ein Problem, das ich nicht lösen kann. Lustlosigkeit stellt sich ein. Widerstand baut sich auf. Ich brauche dringend einen Termin bei einem Business-Coach …

Wenn die Belohnung für ein Verhalten, auch bei uns Homo sapiens, zu lange ausbleibt, tun wir uns schwer, entsprechende Entscheidungen zu treffen, werden emotional und verlieren damit die Fähigkeit, klug Handlungsalternativen zu überlegen. Mehr zu menschengerechten Arbeitsumwelten im Vortrag „Wir Affen, zwischen Portiersloge und Führungsetage“.