#6 Rache als Ratgeber?

Wir waren noch in der Savanne unterwegs, als uns die Emotionen geholfen hatten, heikle Situationen ohne langes Nachzudenken zu überstehen oder gar zu überleben. Man kann die Emotionen durchaus als Abschneider hin zu einer schnellen Entscheidung betrachten. Kämpfe oder laufe – und zwar jetzt!

Die Emotionen waren und sind aber auch die Sprache, die wir Menschen, gemeinsam mit den anderen Wirbeltieren, von Geburt an sprechen. Wir kommunizieren via Emotionen unseren Status, teilen mit, wie es uns geht und helfen so unseren Mitmenschen im Umgang mit uns. So wie man bei einer Katze oder einem Hund erkennt, dass man das Tier jetzt besser in Ruhe lässt, erkennen wir, ob die Chefin gerade in der Verfassung ist, sich um die eigenen Anliegen zu kümmern. Wir brauchen diese Emotionen für unsere Strategiespiele untereinander, anders wäre Verhalten in der Großgruppe nicht möglich.

Die Emotionen stehen uns aber auch im Weg. Denn als rasches Entscheidungssubstitut verhindern sie ein bedachtes Abwägen von Argumenten. Sie machen unseren Handlungsspielraum eng und verhindern das Erkennen von unterschiedlichen Handlungsalternativen. Die Emotionen lassen uns glauben, die richtige Entscheidung zu kennen – das stellt sich oft als ein Irrtum heraus. Wir sind eben nicht mehr in der Savanne, sondern in Konferenzräumen. Wir haben unsere Umgebungen dramatisch verändert.

Wer also kluge Entscheidungen treffen möchte, tut gut daran, zuzuwarten, bis die eigene Emotionalität abgeklungen ist. Nur dann haben wir die Möglichkeit, alle Handlungsalternativen zu erkennen und über sie nachzudenken. In der Emotionalität hingegen begehen wir Taten wie Jähzorn und Rache. Wir glauben uns damit im Recht. Was für ein Irrtum. Leider ist das nicht das Privileg von Kleinkindern:Neanderthaler_Menge_02_m

Frankreich hat sofort mit intensivem Rache-Bombardement auf Rakka als Antwort auf die Terroranschläge von Paris geantwortet. Jähzorn und Rache sind jedoch selten gute Ratgeber auf dem Weg zu einer Problemlösung.