#12 Die Rhetorik des Peter Pilz

Ich möchte kurz über die Rhetorik von Peter Pilz ein paar Worte verlieren. Vorweg, was war geschehen: Peter Pilz, Parteichef der Liste Pilz, die den Einzug in den Nationalrat geschafft hat, wurde in zwei unterschiedlichen Fällen sexuelle Belästigung  vorgeworfen. Peter Pilz hatte ein paar Tage Zeit, sich eine Strategie zurechtzulegen. Wofür entschied er sich?

Meines Erachtens bediente er sich des Drama-Dreiecks, das in einer Konfliktsituation drei teilnehmende Rollen scharf definiert: Einen Täter, ein Opfer und einen Retter. Der Täter sorgt für das Opfer, der Retter agiert im Sinne des Opfers und konfrontiert den Täter mit seiner Tat. Wird man von den Medien als möglicher Täter betrachtet, so hat man demnach nur zwei Möglichkeiten, die Täterrolle zu verlassen. Man kann in die Rolle des Retters schlüpfen, beziehungsweise sich an deren Seite stellen und Sätze formulieren wie: „Ich werde alles unternehmen, um aufzuklären … das darf nie wieder passieren … es ist in meinem Interesse, den Schuldigen zu finden“.  Oder man wählt eine andere Strategie und übernimmt die Rolle des Opfers. Man stellt andere als Täter dar: „Das ist eine Kampagne gegen mich … die Fehler sind wo anders passiert … da versucht jemand, mich zu diskreditieren … ich habe den Schaden“.

Peter Pilz hat sich im ersten vorgeworfenen Fall (sexuelle Belästigung einer seiner Mitarbeiterinnen) für die Opferrolle entschieden. Er schiebt die Rolle des Täters seiner alten Partei in die Schuhe und suggeriert, dass diese ihm schaden wolle.

Im zweiten Fall (sexuelle Übergriffe auf eine Frau vor Zeugen) gibt er vor, sich nicht an die Übergriffe erinnern zu können („stark alkoholisiert“). Aber auch hier gelingt es ihm, in die Opferrolle zu schlüpfen, da er seine eigenen moralischen Ansprüche zum abstrakten Täter macht. Er übernimmt zwar die Verantwortung für sein Tun und tritt zurück, macht dies aber im Schein einer selbstgefälligen Opferrolle.

Und zum Abschluss verknüpfte er ein „mea culpa“ mit einem rhetorischen Trick: Er stellte sich als Teil einer größeren Menge dar und verwässert damit sein individuelles Fehlverhalten: „Ich bin einer dieser mächtigen, älteren Männer, die zum Teil noch aus anderen politischen Kulturen kommen …“. Er verallgemeinert seine Tat und tut so, als ob das in seiner Generation halt so üblich wäre. Damit relativiert er sein Verhalten.

Peter Pilz gilt zu Recht als rhetorisch brillant – wiewohl seine Strategie samt Taktik diesmal schon sehr offensichtlich waren.