#11 Was Roger Federer, lange Ski und Medientrainings gemein haben

„Aber bin ich dann noch authentisch …?“ ist die meist gestellte Frage im Rahmen meiner Medien- Rede- und Präsentationstrainings. Meine Kunden stellen mir immer dann diese Frage, wenn sie sich mit einer neuen Technik anfangs schwertun, wenn sie ihre Komfortzone verlassen sollten. Mit der Frage nach der fehlenden Authentizität verpacken sie in Wahrheit nur ihre Kritik und Zweifel an dieser neuen Technik. Das ist nur allzu menschlich. Als Trainer und Verhaltensbiologe würde es mir wahrscheinlich fehlen, käme es nicht 😉

Ich meine, dass hinter einer Authentizität immer ein Können, ein Vermögen steckt. Etwas authentisch umzusetzen bedeutet für mich, es auf die einem eigene Art und Weise umzusetzen, unverwechselbar und womöglich einzigartig. Und um etwas umsetzen zu können, sollte man es vorher auch beherrschen.

Ich bringe da gerne Analogien aus dem Sport. Als 72er-Jahrgang habe ich, und wahrscheinlich alle anderen, die in den frühen 80ern in Österreich Skifahren gelernt haben, ein und dieselbe Technik von den Skilehrern gelehrt bekommen: Talski belasten, Bergski entlasten bis anheben, Oberkörper zeigt zum Tal, Hoch-Tief, Arme draußen – und geht schon. Das war die einzig funktionierende Technik, wirklich lange Ski sicher um die Kurve und damit den Hang hinunter zu bringen. Und wir alle haben diese eine Technik gelernt. Aber ein jeder, eine jede von uns fährt einen ihr ganz eigenen Schwung. Dahinter steckt aber stets ein und dieselbe Technik.

Ähnlich beim Tennis, zum Beispiel eine funktionierende Vorhand: Seitlich und ruhig stehen, Ball fixieren, Ball vor dem Körper treffen, durchschwingen, … und ich kenne keinen Hobbyspieler, der nicht seine ihm eigene Art und Weise hätte, diesen Schlag durchzuführen. Selbst die absoluten Profis des Tennissports spielen exakt eine funktionierende Technik bei der Vorhand, und trotzdem sieht eine Vorhand eines Roger Federers ganz anders aus als die Vorhand eines Rafa Nadals. Im Moment der Ballberührung freilich nicht – der liegt eine funktionierende Technik zu Grunde. Der Rest ist Authentizität.

To make a long story short: Erst muss man etwas lernen, in Folge auch beherrschen, um es dann authentisch durchführen zu können. Sei es ein Schwung beim Skifahren, eine Tennis-Vorhand oder eine rhetorische Technik samt unterstützender Mimik.

Und wer jetzt interessiert ist, wie eine gute Tennisvorhand funktioniert, schaue einmal da rein:  [klick]